Nachrichten zum Buch VI

 

Regierung lässt Riester-Sparer allein (04.01.2010)

Die Vertragskosten bei Riester-Renten sind fast immer höher als bei Privatrenten. Damit werde ein Großteil der versprochenen Verzinsung aufgezehrt. Das berichtet das Verbrauchermagazin Öko-Test in einem für Januar angekündigten Sonderheft zur Riester-Rente vorab. Die Verbraucher könnten die Kosten für Abschluss und Verwaltung sowie für einen Vertragswechsel oft kaum erkennen und daher auch nicht vergleichen, heißt es auch in einer Studie des Bamberger Professors Andreas Oehler für den Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Uwe Wystup, Professor für Quantitative Finance an der Frankfurt School of Finance & Management, vermutet in seiner Studie für das Wirtschaftsmagazin „Euro”, dass „selbst Mitarbeiter der Versicherungen Fragen zu den Kosten kaum exakt beantworten können, weil die Vertragsdokumente so kompliziert sind”. Mit anderen Worten: „Die Finanzindustrie nutzt die Gunst der Stunde und macht sich die Taschen voll”, kommentiert die Frankfurter Rundschau. Besonders schlimm daran sei, so die Zeitung, dass der Staat zuschaue, „wie die Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften mit ihren Kunden umspringen” und nichts dagegen unternehme. „Erst drängt die Politik ihre Bürger in die kapitalgedeckte Altersvorsorge, dann lassen die Regierenden sie allein”, lautet auch das Fazit des Düsseldorfer Fachanwalts für Bank- und Kapitalmarktrecht Julius Reiter. Im Buch „Abkassiert”, das er zusammen mit seinen Kanzleipartnern, dem ehemaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum und Olaf Methner, geschrieben hat, fordert er die Regierung eindringlich auf, Verbraucherinteressen nicht dem Gewinnstreben der Finanzlobby zu opfern. Die Regierung aber will von Missständen nichts wissen. In einer Fragestunde des Bundestages antwortete das Arbeitsministerium der Abgeordneten Caren Lay (Die Linke), die Kritik sei „unsachgemäß und nicht nachvollziehbar”. Für Anwalt Reiter, Sachverständiger in verschiedenenen Bundestagsausschüssen, ist es deshalb eine permanente Aufgabe, für mehr Verbraucherrechte insbesondere bei der Altersvorsorge zu kämpfen.

 

Banken verstecken weiterhin Provisionen (23.12.2009)

Wenn es um Gebühren, Vergütungen und Entgelte bei Investmentfonds geht, ist für Banken das ganze Jahr Weihnachten. „Auch zwei Jahre nach Inkrafttreten der europäischen Finanzmarktrichtlinie Mifid erfahren Kunden nur wenig über die Zuwendungen, die Kreditinstitute von Investmentfondsgesellschaften erhalten”, berichtet die Financial Times. Die Fondsanbieter zahlen beispielsweise sogenannte Bestandsprovisionen an Banken. Diese Gebühren werden automatisch dem Fondsvermögen entnommen und damit von der jährlichen Verwaltungsvergütung eines Fonds – auch Managementgebühr genannt – abgezwackt. Die Bestandsprovisionen gehen also zu Lasten der Fondsrendite und werden auch dann fällig, wenn der Fonds Miese macht. Die Kunden erfahren allerdings meist nur die Höhe des Ausgabeaufschlags und die Höhe der gesamten Verwaltungsvergütung. Das Buch „Abkassiert” zeigt an vielen Beispielen, wie Bank- und Versicherungskunden auf versteckte Kosten achten können.

 

Rürup-Rente: Bafin-Prüfsiegel ab 2010 kein Qualitätsnachweis (23.12.2009)

Für Verträge der Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, ist ab 2010 ein Zertifikat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erforderlich. Bei Produkten, die das Siegel nicht tragen, sind die Prämien ab 2010 nicht mehr als Sonderausgaben absetzbar. Doch Vorsicht. Das Prüfzeichen der Aufsichtsbehörde ist lediglich ein Hinweis für die Finanzämter, dass der Vertrag den steuerrechtlichen Anforderungen genügt. Das Siegel liefert keinen Hinweis über die Qualität des Sparvertrags. Ob sich ein solcher Vertrag überhaupt lohnen kann, hängt von der individuellen Situation des Vorsorgesparers ab. Das Buch „Abkassiert” beleuchtet die Renditeaussichten und Fallstricke bei Rürup-Verträgen und beschreibt eine Reihe von Produkten, bei denen Prüfsiegel wie beispielsweise der Bafin oder des TüV zu falschen Rückschlüssen der Verbraucher führen können.

 

Intransparente Finanzprodukte verbieten (23.12.2009)

Investment-Banker spielen weltweit wieder Billionen-Monopoly. Mehr denn je gehören Spekulationen der Banken ohne Kundenauftrag – der sogenannte Eigenhandel – sowie der großangelegte Verkauf von Kunstprodukten wie Derivate zum Alltagsgeschäft der Finanzhäuser. Die Folge: Während die Realwirtschaft immer noch taumelt und die Arbeitslosenzahlen steigen, melden die großen Investmentbanken Rekordgewinne und verteilen dicke Boni. So verkündet Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs, für das dritte Quartal 2009 stolz einen Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar. Damit könne er seinen Mitarbeitern im Schnitt (!) 800.000 Dollar Jahresgehalt überweisen, berichtet der Spiegel.
Welch verheerende Mechanismen mit den aktuellen Bankgeschäften in Gang gesetzt werden können, wird im Buch „Abkassiert” eindrucksvoll und auch für Laien verständlich beschrieben. Eindringlich fordern die Autoren, der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum und seine Kanzlei-Partner Julius Reiter und Olaf Methner, deshalb die Politik auf, endlich für neue Rahmenbedingungen zu sorgen. Dazu gehöre an erster Stelle das Verbot intransparenter Finanzprodukte mit unkalkulierbaren Risiken für Geldanleger und Vorsorgesparer. Vor allem auch sei endlich zu klären, wie eine neu organisierte Banken- und Versicherungsaufsicht in Deutschland für mehr Verbraucherschutz bei allen Finanzdienstleistungen sorgen könne.

 

Alte Seilschaften zahlen sich aus (15.12.2009)

Carsten Maschmeyer, Ex-AWD-Chef und Vertriebsguru, sowie Bert Rürup, der Erfinder der Rürup-Rente, ehemaliger Wirtschaftsweiser und Regierungsberater, gründen ein gemeinsames Beratungsunternehmen. Es soll als „Maschmeyer-Rürup-AG” auftreten und sich auf die Alters- und Gesundheitsvorsorgeberatung für Banken, Versicherer und Regierungen konzentrieren. Berater des neuen Unternehmens soll Ex-Bundesarbeitsminister Walter Riester, Namensgeber der Riester-Rente, werden. Schon als AWD-Chef pflegte Maschmeyer enge Kontakte zur Politik, um das umstrittene Image des Strukturvertriebes AWD aufzupolieren. Diese Seilschaften zwischen Politik und Finanzunternehmen, die in „Abkassiert” ausführlich beschrieben und durchleuchtet werden, zahlen sich jetzt wieder einmal für die Vertriebsmanager aus. Verlierer könnten einmal mehr die Vorsorgesparer sein. Ein Bemühen für mehr Verbraucherschutz ist von den neuen Banken, Versicherungs- und Regierungsberatern wohl kaum zu erwarten.

 

Kundenwünsche spielen bei der Bankberatung weiter keine Rolle (15.12.2009)

Entgegen allen Beteuerungen und Versprechen in der öffentlichkeit beraten viele Banken, Sparkassen und Genossenschaftsinstitute ihre Kunden weiter schlecht. In einer Untersuchung der Stiftung Warentest konnte sich keine der 21 getesteten Filialbanken und Sparkassen durch eine gute Anlageberatung auszeichnen. Im Gegenteil: Auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) erhielten die Institute im Durchschnitt nur die Note 3,9. In jeweils sieben Filialen der Institute ging es darum, 30 000 Euro für fünf Jahre sicher anzulegen. Die Test-Anleger liebäugelten mit einer Rendite von vier Prozent, die derzeit mit einer sicheren Anlage nicht zu erzielen sind. Die Banker kümmerte das wenig. Sie verschwiegen, dass der Kunde entweder auf absolute Sicherheit oder einen Teil der Rendite verzichten muss. Stattdessen boten sie entgegen den Kundenwünschen Risikopapiere an und empfahlen Zertifikate, Aktienfonds oder offene Immobilienfonds. Eine Sparkasse riet sogar, ein Goldkonto einzurichten, was angesichts der starken Goldpreisschwankungen wohl kaum eine sichere Anlage ist. Ein anderes Institut kam sogar auf die Idee, den Anlegern eine private Rentenversicherung zu verkaufen, was wohl nur einem einen Gewinn gebracht hätte – der Bank. Die Beispiele zeigen, dass jetzt endlich der Gesetzgeber tätig werden und die Regressmöglichkeiten von Kunden verbessern muss – eine Forderung, die Gerhart Baum, Julius Reiter und Olaf Methner in ihrem Buch „Abkassiert” längst aufgestellt haben und begründen. Die Düsseldorfer Anwälte sehen vor allem eine Lösung in einer Beweislastumkehr; falsche Beratung muss für die Verursacher richtig teuer werden.

 

Abkassiert: Bundesministerin Aigner droht Banken (14.12.2009)

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner will die Bankenbranche notfalls zu einer besseren Kundenberatung zwingen. Die Banken hätten als Konsequenz aus der Lehman-Pleite eine grundlegende Reform ihrer Beratungspraxis zugesagt. Die Wirklichkeit sehe aber anders aus, so die Ministerin. Falschberatungen seien nach wie vor an der Tagesordnung. Im vergangenen Juli hatte die Verbraucherschutzministerin ein Produktinformationsblatt vorgestellt, in dem die wichtigsten Eigenschaften eines jeden Finanzprodukts kurz dargestellt werden. Bislang wäre nur eine Bank bereit, diesen Standard zu übernehmen, so Aigner. Zögen die anderen Banken nicht freiwillig nach, würde eine gesetzliche Regelung unumgänglich. In „Abkassiert” machen die Autoren Gerhart Baum, Julius Reiter und Olaf Methner Vorschläge, wie Gesetzesänderungen für verbesserten Verbraucherschutz aussehen könnten, z.B. durch die Vorgabe transparenter Produktinformationen.

 

Versicherungsunternehmen verweigern Kostentransparenz (14.12.2009)

Still und heimlich kassieren Versicherer Gebühren, die bei fondsgebundenen Lebensversicherungen als Rückvergütung (Kick Backs) von den Fondsgesellschaften gezahlt werden. Während Banken solche Rückvergütungen dem Kunden transparent machen müssen, lehnt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) eine solche Kostentransparenz schlichtweg ab. Die Versicherungslobbyisten behaupten, die Kick Backs würden nach Abzug der Kosten für die Versicherer in die überschussbeteiligungen der Kunden fließen. Deshalb sei eine Bekanntgabe überflüssig. Verbraucherschützer sehen das anders. Im aktuell erschienenen Buch „Abkassiert” beschreiben die Düsseldorfer Rechtsanwälte Gerhart Baum, Julius Reiter und Olaf Methner ausführlich, wie zahlreiche Versicherungsunternehmen – für den Kunden nicht nachvollziehbar- mit Kick Backs und anderen Tricks in die eigene Tasche wirtschaften und Kunden mit geschönten Beispielrechnungen in die Irre führen.

 

Die Party geht wieder los (13.12.2009)

Amerikas Finanzindustrie erlebt eine wundersame Wiederauferstehung. Großbanken wie JP Morgan Chase und Goldman Sachs erzielen rekordverdächtige Gewinne. Selbst Problemkindern wie der Bank of America und der Citigroup geht es besser, als die meisten Experten es für möglich gehalten hätten. Für die Investmentbanker ist das schon jetzt ein Grund zum Feiern, obwohl die neue Bonus-Saison erst 2010 eröffnet wird. „Die Bonustöpfe sind prall gefüllt und viele Banker wollen die Konsumfreuden schon jetzt ausleben”, schreibt der US-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung Moritz Koch. Kunsthändler, Juweliere, Gourmetboutiquen und Privatjetfirmen – sie alle hatten mit dem Schlimmsten gerechnet, als die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im vergangenen Jahr die Rezession ausgelöst hatte. Nun seien die Händler zurück im Geschäft, schreibt Moritz. „Die Party geht von vorne los.” Wozu das bereits geführt hat und wieder führen kann, ist in „Abkassiert” eindrucksvoll nachzulesen.

 

Anbieter von Riester-Produkten kassieren ab (10.12.2009)

Riester-Produkte sind meist teuer als vergleichbare Angebote ohne Staatszuschüsse und aufgrund mangelnder Kostentransparenz nur schwer vergleichbar. Zu diesem Ergebnis kommen ein Gutachten der Universität Bamberg im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sowie ein Riester-Test der Zeitschrift ökotest. Die Bamberger Wissenschaftler fanden heraus, dass rund 40 Prozent der Angebote für die Untersuchungsreihe der „45-jährigen Sparer” erhebliche Mängel aufweist. Es fehlten Angaben zu den Abschluss- und Vertriebskosten sowie den Verwaltungsgebühren. Verschwiegen wurden oft auch Kosten bei einem möglichen Anbieterwechsel. In nur jedem dritten Angebot hätten sich solche Angaben gefunden, die dann aber für die Interessenten auch nur schwer nachvollziehbar gewesen wären. Der Vergleich zwischen mehreren Angeboten sei so kaum möglich, lautet das Fazit der Wissenschaftler. Zu einem verheerenden Urteil über die in vielen Riester-Verträgen versteckten Kosten kommt die Zeitschrift ökotest. Auch wenn berücksichtigt wird, dass für die Riester-Sparanlagen ein teurer Verwaltungsaufwand anfiele, verlangten die Versicherer meist ungebührend Gebühren als bei ungeförderten Produkten. So sei nicht einzusehen, warum die Versicherer auch in der Rentenphase höhere Gebühren verlangten, in der keine höheren Verwaltungskosten anfielen. Ausführlich beschreibt auch das Buch „Abkassiert” die vielfältigen Tricks der Versicherungen, mit denen Vorsorgesparer heimlich um ihre Renditen gebracht werden.