Nachrichten zum Buch V

 

Kundenumfrage: Finanzdienstleister verdienen noch kein Vertrauen (03.02.2010)

Finanzdienstleister haben es bislang nicht geschafft, aufgrund der Enthüllungen in der Finanzkrise verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Verlässlichkeit und Transparenz lassen nach Einschätzung der Kunden nach wie vor zu wünschen übrig. Das ist Kernergebnis einer repräsentativen Studie der BBDO Consulting, einer auf Marketingstrategien spezialisierten Unternehmensberatung der BBDO Gruppe. Die Vertrauens-Champions des vergangenen Jahres, Sparkassen und Genossenschaftsbanken, sind zwar auch dieses Jahr wieder vorne, müssen aber leichte Verluste hinnehmen. Investmentbanken, Strukturvertriebe wie AWD, Bonnfinanz, OVB oder MLP sowie Privatbanken bleiben die großen Verlierer.

Weiteres Ergebnis der Studie: Zwar gibt es mittlerweile eine breite generelle Zahlungsbereitschaft für gebührenpflichtige Finanzberatung. Allerdings bewegen sich die Beträge, die Kunden dafür nach eigener Aussage tatsächlich zu zahlen bereit sind, größtenteils bei Werten deutlich unter 50 Euro. Der Düsseldorfer Verbraucheranwalt, Julius Reiter, ist allerdings davon überzeugt, dass der Honorarberatung die Zukunft gehört. „Immer noch werden bei Bankberatungen in vielen Fällen ausschließlich die Produkte empfohlen, die der Bank die höchsten Provisionen bringen. Das kann den Kunden weitaus mehr kosten als eine unabhängige Beratung auf Honorarbasis. Nur merkt es der Kunde nicht”, hat Julius Reiter im aktuellen Buch „Abkassiert” vorgerechnet. Das Buch, das Anwalt Reiter zusammen mit seinen Kanzleipartnern, dem ehemaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum und Olaf Methner, geschrieben hat, beschäftigt sich ausgiebig mit Fallen bei der Anlageberatung.

Was viele Anleger nicht wüssten: In Zertifikaten steckten Gewinnmargen von 7 Prozent und mehr für die Bank. Bei 1000 Euro Anlagesumme wären das mindestens 70 Euro an offenen und versteckten Provisionen. Beim Verkauf von Anteilen an geschlossenen Fonds beispielsweise verdienten die Anbieter sogar oft 20 Prozent und mehr an Provisionen. Baum, Reiter und Methner fordern daher die Regierung auf, zügig und entschlossener zu handeln: „In Großbritannien wird provisionsgetriebene Beratung für alle Geldanlagen ab 2012 untersagt. In Skandinavien ist sie für Altersvorsorge-Produkte schon heute verboten. Daran sollte sich die Politik in Deutschland ein Beispiel nehmen.”

Die beste Beraterqualität nützt aber nichts, wenn Verkaufsdruck ausgeübt wird. Die Autoren Baum, Reiter und Methner meinen: „Hier sind auch die Gewerkschaften gefragt, die dafür Sorge tragen müssen, dass der variable Vergütungsanteil von Bankberatern zurückgefahren wird. Es muss zudem eine qualifizierte Berater-Ausbildung mit einem einheitlichen Berufsbild eingeführt werden, das verbindliche Qualifikationsanforderungen und Prüfungen sowie eine Pflichtversicherung für Vermögensschäden vorsieht.”

 

Irreführende TÜV-Siegel bei Finanzprodukten (28.01.2010)

TÜV-Siegel im Finanzbereich sind irreführend. Die Konzerne TÜV Süd, TÜV Nord, TÜV Rheinland und TÜV Saarland beispielsweise würden praktisch als externe Marketingagenturen der geprüften Finanzdienstleister auftreten. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „TÜV-geprüfte Finanzberatung”, die der Düsseldorfer Mathematiker Werner Siepe im Auftrag der drei Unternehmen DVR (Die Versicherungs- und Rentenberater AG), TÜG (Technische Überwachungsgemeinschaft GmbH) und VERS (Versicherungsberater-Gesellschaft mbH) erstellt hat. In der Studie werden zahlreiche Beispiele für fragwürdige TÜV-Siegel genannt.

So bekam beispielsweise die zur LBBW-Gruppe gehörende Baden-Württembergische Bank als erste Bank vom TÜV Süd das Siegel „TÜV-geprüfte Beratungsqualität”, obwohl sie in einem Test über die Anlageberatung von Banken den letzten Platz belegte. Dieses TÜV-Süd-Siegel erhielt auch ein Allfinanzvertrieb aus Augsburg, der sich in mehreren Fällen krasse Fehlberatungen leistete. Der TÜV Nord verlieh einem inzwischen insolventen Spezialvertrieb für private Krankenversicherungen das Zertifikat „TÜV-geprüfte Servicequalität”, obwohl die fragwürdigen Methoden bei der Versicherungsvermittlung Fachleuten in der Branche seit längerem bekannt waren. Überraschend positiv fallen auch die Siegel von TÜV Süd und TÜV Saarland für die Ergo-Tochter Victoria Versicherung aus, die bei Vergleichen von Kapital-Lebensversicherungen und privaten Rentenversicherungen regelmäßig einen der hinteren Plätze belegt.

Fazit der Studie: „Die TÜV-Siegel sind Verkaufshilfen für Finanzdienstleister. Das Vertrauen von vielen Anlegern, Versicherten und Kreditnehmern wird enttäuscht, wenn sie später erfahren, dass die erteilten TÜV-Siegel eine Qualität vortäuschen, die tatsächlich gar nicht gegeben ist. Sie werden zu spät merken, dass die viel gepriesene Sicherheit des TÜV-Siegels nur ein Marketing-Gag ist.”

Auch die Düsseldorfer Rechtsanwälte Gerhart Baum, Julius Reiter und Olaf Methner kritisieren in ihrem Buch „Abkassiert” die derzeitige Praxis der wegen ihrer Verdienste im technischen Bereich allgemein anerkannten TÜV-Unternehmen, Gütesiegel für Finanzdienstleistungen zu verleihen. Für die angeblich umfassende Prüfung im Finanzbereich, an deren Ende die Vergabe der TÜV-Siegel steht, würden die Auftraggeber den Privatunternehmen mit Namen TÜV fünfstellige Beträge hinblättern. Es gebe jedoch keinerlei Belege, dass solche TÜV-Siegel die Beratungsqualität tatsächlich verbessern. Im Gegenteil: Häufig wird die Reputation des TÜV von Anbietern missbraucht, indem auf eine Prüfung verwiesen wird, die gar nicht inhaltlich stattfindet. Verbraucheranwalt Julius Reiter: „Das Vertrauen der Kunden, dass es sich um aussagefähige Qualitätssiegel wie im technischem Bereich handelt, wird vorsätzlich und schamlos ausgenutzt. Mit einem TÜV-Stempel in den Angeboten lassen sich Kunden halt ganz besonders bequem abkassieren. Wir sehen für den TÜV sogar das Risiko, dass er selbst gegenüber geschädigten Anlegern schadenersatzpflichtig wird.”

Der TÜV hat daher im Rahmen seines überarbeiteten Kriterienkatalogs nun für sein Zertifizierungsverfahren „geprüfte Fondsplausibilität” einen Fachbeirat eingerichtet. Kritik: Im Beirat ist erneut kein Vertreter des Verbraucherschutzes.

 

Beschwerderekord aufgrund intransparenter Versicherungsbedingungen(18.01.2010)

Die Beschwerden unzufriedener Versicherungskunden erreichten 2008 mit rund 19.000 Widersprüchen einen historischen Höchststand. 2009 wurde diese Marke sogar noch einmal übertroffen, berichtete der Vorsitzende der unabhängigen Schiedsstelle für Versicherungsstreitigkeiten , Günter Hirsch, der Frankfurter Rundschau. Als Faustregel könne gelten, dass in der Sachversicherung gut ein Drittel der Beschwerden zum Erfolg führen. Viele Gesellschaften hätten Schwierigkeiten, über den Garantiezins hinaus noch große Überschuss- und Schlussbeteiligungen zu erwirtschaften, so Hirsch zur Frankfurter Rundschau. Die Stille Reserve tendiere bei vielen Gesellschaften gegen Null.

Ein typischer Fall sei auch die Weigerung einer Rechtsschutzversicherung, ihren Kunden bei einer Klage wegen Kapitalanlagestreitigkeiten, z.B. gegen die Pleite-Bank Lehman Brothers, zu unterstützen. Spekulationsverluste zu korrigieren, sei nicht Aufgabe des Rechtsschutzes, so Hirsch. Was jedoch als nicht versicherbare Spekulation zu verstehen sei, könne er nur im Einzelfall entscheiden.

In der Lebens- oder privaten Rentenversicherung sei nur noch jeder sechste Kläger erfolgreich. Dies hänge mit der mangelnden Transparenz in diesem Zweig zusammen. So könnten sich viele Versicherte nicht erklären, weshalb ihre geschätzte Versicherungssumme zum Vertragsende plötzlich schrumpft.

Im Buch „Abkassiert” beschreiben die Autoren, Gerhart Baum, Julius Reiter und Olaf Methner, ausführlich die Klippen bei Versicherungsangeboten zur Altersvorsorge. So seien Versicherer seit 2008 beispielsweise dazu verpflichtet, Kosten in Euro und Cent auszuweisen. „Trotzdem gibt es immer noch jede Menge versteckter Kosten”, warnt Julius Reiter. „Mitschuld trägt der Gesetzgeber, der es versäumt hat, für den Kostenausweise Standards vorzuschreiben”, so der Düsseldorfer Anlegeranwalt. Dieser Missstand müsste mit Hilfe der von der Verbraucherminterin Ilse Aigner vorgesehenen Beipackzettel zu Finanzprodukten endlich beseitigt werden. „ Volle Kostentransparenz ohne Möglichkeiten zu Tricksereien, so Anwalt Julius Reiter, „ist wesentlicher Faktor für einen funktionierenden Verbraucherschutz”.

 

Schlampige Beratungsprotokolle der Banken (11.01.2010)

Seit Jahresanfang müssen Banken bei jedem Geldanlage-Beratungsgespräch ein Protokoll anfertigen. Mit dem Protokoll sollen Anleger in Streitfällen später vor Gericht den Ablauf des Beratungsgespräches beweisen können. Das könnte im Falle eines Anlageverlusts die Haftungsansprüche von Kunden bei einer Falschberatung verbessern, so das Kalkül der Regierung. Ob die Rechnung aufgeht, wollten Redakteure des Internetportals Welt-Online genau wissen. Sie testeten Banken in Kundengesprächen. Obwohl der Test bei drei Banken aufgrund der geringen Stichprobe nicht repräsentativ sein kann, ist das Ergebnis „ernüchternd”, schreibt Welt-Online. Die Erlebnisse mit den Bankberatern erinnerten an das Prinzip „Versuch und Irrtum”. Die Ausgangsposition des Tests war bei den Banken gleich: Der Kunde fragte nach Anlagealternativen für 10.000 Euro, die er niedrig verzinst auf einem Tagesgeldkonto bei einer Direktbank liegen hat. Das Fazit der Tester im Einzelnen:

Commerzbank: „Beratung ordentlich – Formular nicht. Wenn das Protokoll dem Anlegerschutz dienen soll, muss es zumindest vollständig ausgefüllt sein. Für Finanzlaien dürfte es zudem schwierig sein, nach intensiver Beratung dem Banker beim Ausfüllen des Bogens immer auf Augenhöhe zu folgen. Böswillige Berater könnten das ausnutzen und das Protokoll abweichend vom Gesprächsverlauf ausfüllen.”

Sparkasse: „Die technischen Schwierigkeiten mag man noch als Anlaufprobleme entschuldigen, das schablonenhafte Protokoll nicht. Die Textbausteine sind wenig aussagekräftig. Gerade bei dem wichtigen Punkt „Empfehlungen und Gründe” bringen die Standardantworten dem Kunden keinen Informationsgewinn. Die Gebühren und Provisionen tauchen im Protokoll nicht auf. Die Unterschrift des Kunden ist im Gesetz nicht vorgesehen.”

Deutsche Bank: „Ausgerechnet von der Deutschen Bank hätte es fast kein Protokoll gegeben. Das Unternehmen will sich auf Nachfrage zu dem Fall nicht äußern. Grundsätzlich stellt es aber fest, dass sobald ein Wertpapier vom Berater empfohlen wird, eine Dokumentation erstellt werde. Allerdings: „Im Falle der reinen, nicht wertenden Information über Wertpapiere ist eine Dokumentation des Gesprächs seitens des Gesetzgebers nicht gefordert”, so ein Banksprecher.”

Das Fazit von Welt-Online deckt sich mit den Bedenken, die die Düsseldorfer Rechtsanwälte Gerhart Baum, Julius Reiter und Olaf Methner in dem Buch „Abkassiert” ausführlich beschreiben: „Protokolle schützen nicht vor Falschberatung”. Nach der neuen Gesetzeslage müssen Anlageberater zwar schriftlich festhalten, welche Produkte sie dem Kunden empfehlen und weshalb sie das tun. Nach wie vor können die Kunden aber mit wenig aussagefähigen Allgemeinplätzen abgefertigt werden. Solange die Produkte selber intransparent bleiben und Bankberater ihren Kunden nicht die vollen Risiken und Kosten ihrer Angebote nachvollziehbar darlegen müssen, nutzen auch die schönsten Protokolle nichts. Zudem erscheint die neue Dokumentationspflicht wertlos, solange es keine einheitlichen Standards für die Beratungsprotokolle gibt.

Dass mit der Dokumentationspflicht auch die Qualität der Beratung erhöht wird, sei solange ausgeschlossen, wie es keinen einheitlichen, verbindlichen Standard für die Protokolle gibt. Anwalt Reiter fürchtet „nicht nur einen Wildwuchs bei den Abfragen in den Papieren”. Es bestünde auch die Gefahr, „dass Banken die Protokolle so unverbindlich wie möglich erstellen, um in Streitfällen juristisch gut abgesichert zu sein”. Reiter: „Besonders tückisch ist es, wenn Banken in die Beratungsprotokolle Zusatzklauseln einbauen, die eher der Haftungsfreizeichnung der Bank dienen sollen als einer Dokumentation des Beratungsgesprächs. Bankkunden sollten deshalb auf jeden Fall darauf pochen, dass der Berater ihre Wünsche und Anmerkungen in dem Protokoll festhält”.

 

Kreditverkauf geht von vorne los (04.01.2010)

Deutsche Banken wollen 2010 wieder verstärkt notleidende Immobilienkredite verkaufen. Das berichtet der Berliner Tagesspiegel. „Der Stau, der 2009 entstanden ist, wird sich dieses Jahr auflösen”, zitiert die Zeitung Jörg Keibel von der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing. Das Unternehmen reprääsentiert rund 90 Prozent der Firmen, die in Deutschland sogenannte toxische Papiere aufkaufen. Keibel hält es für möglich, dass das Transaktionsvolumen 2010 sieben Milliarden Euro betragen könnte. Das wäre so viel wie vor der Krise. Der Markt für notleidende Kredite, der als eine der Ursachen für die Finanzkrise gilt, war 2009 fast zum Erliegen gekommen. Doch nun wächst der Druck. Die EU hat die Staatshilfen für viele Banken an die Bedingung geknüpft, drastisch zu schrumpfen. Davon seien viele Landesbanken ebenso betroffen wie etwa die Commerzbank oder die Hypo Real Estate, so der Tagespiegel. Das würde einige Banken dazu zwingen, ihre Bilanzen zu bereinigen und auch notleidende Kredite zu verkaufen, sagte Gifford West von der Kredithandelsplattform DebtX. HB der Zeitung. Im aktuellen Buch „Abkassiert” analysieren die Autoren Gerhart Baum, Julius Reiter und Olaf Methner in einem ausführlichen Kapitel die Folgen, die Kreditverkäufe in Deutschland nach sich ziehen können. Die Düsseldorfer Anwälte fordern unter anderem, dass Kreditverkäufe von Banken und Sparkassen an Hedgefonds und andere Finanzinvestoren vom Gesetzgeber verboten werden müssten. Immerhin hat die neue Bundesrefierung diese Forderungen der Anwälte ernst genommen und im Koalitionsvertrag eine Gesetzesänderung versprochen: Zukünftig sollen zumindest redliche Kreditnehmer nicht mehr an Finanzinvestoren verkauft werden.

 

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